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Aus den Historienbüchern des Bürgerschützenvereins Neurath

Das Neurather Ortswappen

Im Jahre 1986 wurde das Neurather Ortswappen aus der Taufe gehoben. Vertreter von Neurather Vereinen, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie unser damaliger Pastor Winand Stollenwerk hatten sich zusammengesetzt und auf historischen Grundlagen das neue Wappen erarbeitet. Diese Grundlagen hatte der Heimatforscher Hans Wagner, selbst ein Neurather und seit 2006 auch endlich Mitglied des Sankt Sebastianus Bürgerschützenvereins, in Archiven entdeckt.
Das Wappen ist schnell beschrieben: links oben drei goldene Lilien vor blauem Hintergrund, rechts unten ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund. Die Trennung erfolgt durch eine diagonale Linie. Doch so schnell die reine Beschreibung auch erfolgt: Hinter den Bestandteilen des Neurather Ortswappens verbergen sich mehr als 700 Jahre Geschichte!

Woher stammen die einzelnen Wappenteile?

Im Staatsarchiv Düsseldorf entdeckte Hans Wagner eine Akte über den Verkauf von „Busch und Benden“ in Nuenrode (dem heutigen Neurath) aus dem Jahre 1395, Datiert am 27. Dezember. Auf diesem Dokument ist das Siegel der Schöffen von Nuenrode zu sehen: Ein Wappen mit drei Lilien. Dieses Wappen konnte den Fürsten von Merode zugeordnet werden, die damals die Herren von Neurath waren. Die drei Lilien gehen also auf das Siegel der damaligen Schöffen von Neurath zurück.

Das schwarze Kreuz auf weißem Grund findet seine Grundlage in einem Siegel des Deutsch-Ritter-Ordens aus dem Jahr 1300. Dieses Siegel hat Hans Wagner ebenfalls im Stadtarchiv Düsseldorf entdeckt. Der Deutsch-Ritter-Orden wurde im Jahr 1198, also in der Zeit der Kreuzzüge, in der Stadt Akkon im Heiligen Land gegründet und im Jahr 1199 vom Papst als Ritterorden anerkannt. Im 13. Jahrhundert gründete der Orden einen Ordensstaat im Osten des Deutschen Reiches, dem späteren Preußen. Um dessen Unterhalt sicherzustellen wurden im gesamten Reich sogenannte Ordenskommenden eingerichtet. Eine dieser Kommenden war die Kommende Gürath. Das überlieferte Siegel war das Siegel der Deutsch-Ritter Ordenskommende Gürath. Die heutige Gürather Straße führt aus dem Ort hinaus auf die Stelle zu, an der bis zum Jahre 1920 das Gut Gürath gestanden hat, bis es zur Braunkohlegewinnung abgebaggert wurde. Der Deutsch-Ritter-Orden stellte alle Pfarrer von Neurath in der Zeit von 1261 bis zur Eroberung und Neuordnung des Rheinlandes durch Napoleon im Jahr 1789.

Hauswappen_kleinWährend des zweiten Weltkrieges wurde am 05.03.1944 durch eine Fliegerbombe das damals älteste Haus von Neurath zerstört, welches im Jahr 1741 erbaut worden war. Über der Eingangstür dieses Hauses hing ein Wappen, das die beiden oben beschriebenen Elemente miteinander vereinte und somit die Grundlage für das neu entstandene Neurather Ortswappen darstellte! Vermutlich war es das Haus des Landesherrn und der örtlichen Behörden.

 

Die Neuentstehung des Neurather Ortswappens zeigt, wie lebendig die Vergangenheit heute noch ist. An Schützenfesten ist das Neurather Ortsbild ohne die schon so vertraut gewordenen Fahnen und Standarten mit dem Neurather Ortswappen nichtNeurath_Wappen mehr vorstellbar. Auch die Wappen, Fahnen und Standarten vieler Züge beinhalten heute das Ortswappen. Es sind Menschen wie Hans Wagner oder Pastor Winand Stollenwerk, die uns längst vergangene Epochen unserer eigenen Geschichte in der Gegenwart wieder zugänglich machen. Dafür gebührt ihnen unser Dank auch im Namen der nachfolgenden Generationen!