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Aus den Historienbüchern des Bürgerschützenvereins Neurath

Die Neurather Schützenbruderschaften

Schützenbruderschaften waren wohl in Ihrem Ursprung Gemeinschaften wehrfähiger Männer. Zur Zeit „Karls des Großen“ könnten die ältesten Schützengilden des Rheinlandes gegründet worden sein. Für Dörfer und Städte gab es damals nur den Schutz, den sich die Bewohner selbst schufen: In Augenblicken der Gefahr fanden sich die Bürger zusammen.
Nach überstandener Not erkannten die Bürger, dass eine andauernde Abwehrbereitschaft notwendig war. Gemeinschaften wehrhafter Männer gaben sich eine Ordnung, übten sich im Bogenschiessen und pflegten darüber hinaus die „Geselligkeit“. Draus erwuchs der Begriff Brüderlichkeit – wohl als eine selbstverständliche Hilfsbereitschaft untereinander und vor allem gegenüber den Schwachen und Armen zu verstehen. Brüderlichkeit ist mehr als Kameradschaft, geht sie doch über den eigenen Kreis hinaus.
Das Mittelalter war von einer tiefen Gläubigkeit gekennzeichnet. So ergab sich zwangsläufig, dass die Schützengemeinschaften in das kirchliche Leben einbezogen waren. Ihr Handeln stellten Sie unter den besonderen Schutz eines Heiligen. Ihren Schutzpatron. Sein Bild setzten sie auf Ihre Fahnen und das Leben des Heiligen war für die Schützen eine Richtschnur. Häufig wurde Sebastian zum Patron gewählt, so auch in Neurath.
Als die Verteidigung gegen äußere Bedrohungen eine Angelegenheit des Staates wurde, als Heere und Polizeitruppen den Frieden schützten, ging die ureigene Aufgabe der Bruderschaften verloren.
Sie blieben jedoch als kirchliche Gemeinschaften bestehen. Ihr Sinn bestand fortan darin, Prozessionen und Wallfahrten sicheres Geleit zu geben.
Auch die Bruderschaft vom Hl. Sebastianus und Hl. Antonius hat ihre Wurzeln im Mittelalter. So wurde z.B. im Jahre 1519 ein Registerbuch eingerichtet.
Zu dieser Zeit besaß unsere Bruderschaft eine Reihe von Ländereien, von denen sie ihre jährliche Pacht als Einnahmen registrieren konnten. Die Ländereien und die Namen der Pächter sind in diesem Register aufgeführt, welches sich im Gräflich v. Mirbach-Harffschen Archiv befindet.

Die Skapulierbruderschaft wurde (laut „Giersberg“) im Jahr 1701 gegründet.

Wie kommt es zur Gründung einer Skapulierbruderschaft in Neurath? Die Aufnahme in die Bruderschaft erfolgte durch einen Karmeliterpater oder einen bevollmächtigten Ordensgeistlichen. Über die Gründung in Neurath wissen wir nur das Gründungsjahr, nicht aber wer sie gegründet hat.
1883 schreibt der Bedburger Pfarrer Giersberg: „1701 wurde die Skapulierbruderschaft errichtet. Das Hauptfest wird heute noch mit achttägiger Dauer unter großer Anteilnahme der ganzen Umgebung feierlich gehalten. Das Bruderschaftsbuch mit Tausenden Namen der Eingeschriebenen ist noch vorhanden.“
Zur gleichen Zeit bestand in Neurath die Sankt – Sebastianus - Bruderschaft. Giersberg hatte die Sankt – Sebastianus - Bruderschaft nicht extra als Schützenbruderschaft bezeichnet. Die Tatsache, dass er sich so kommentarlos nebeneinander stellt, lässt darauf schließen, dass er keinen großen Unterschied zwischen den Bruderschaften gesehen hat.
Heute, so mag es vielen erscheinen, stehen die Bruderschaften ohne ein wichtiges Betätigungsfeld da. Manche meinen, dass sie höchstens die Aufgabe haben, gute Schützenfeste zu feiern. Selbstverständlich pflege die Mitglieder das dem Schützenwesen eigene Schießen, selbstverständlich feiern sie Schützenfeste. Die Aufgaben liegen im Äußeren. Der Inhalt der Aufgaben besteht auch in unserer Zeit. Die Bruderschaften fühlen sich heute aufgerufen, für öffentlichen und privaten Leben in zeitgemäßer Form Einzustehen. Das fordert Mut und Ideen, sich zu stellen. Alles dies ist in den Satzungen auch in der des Sankt – Sebastianus - Bürgerschützenvereins Neurath ausgedrückt.

Quellen:
Gräflich v. Mirbach-Harffsches Archiv
Archiv NGZ
Archiv Bürgerschützenverein Neurath
Kirchenblatt zum Schützenfest 1988