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Aus den Historienbüchern des Bürgerschützenvereins Neurath

Aus der Geschichte des St. Sebastianus Bürger-Schützen-Vereins Neurath

(1900 – 1918)

Die letzte Eintragung im „Namentlichen Verzeichnis, der dem Bürger-Schützen-Verein zu Neurath angehörigen Mannschaften nebst Angabe über Stand, Charge, Gewerbe, Eintritt und Austritt“ kurz also, im Protokollbuch des Vereins, datiert vom 1898 + 99. Dort werden die Einnahmen mit „Sechs Hundert Dreizehn Mark und 90 Pfg.“ und die Ausgaben mit „Sechs Hundert Mark 40 Pfg.“ angegeben. Man hat also einen Überschuss von „13 Mk 50 Pfg“ erwirtschaftet.
Die Eintragungen für das erste Jahrzehnt im 20 Jhd. und bis zum Ende des 1. Weltkriegs beziehen sich über weite Stecken auf die Angabe des Vereinsvermögens. Sie zeigen, dass der Verein nicht „unbetucht“ war; denn in der genannten Zeit wurden permanent durchschnittlich 500 Mark auf dem Sparbuch zins bringend angelegt. Wenn man bedenkt, dass derzeit ein Maßanzug aus englischem Tuch 30 Taler = 90 Mark – das war der Monatslohn eines Schlossers – kostete, so darf man die finanzielle Situation des Vereins getrost als stabil bezeichnen.
Für die Kriegsjahre enthält das Protokollbuch keine Angaben über die Finanzen des Vereins, wohl weil der Kassierer Wilhelm Büllesfeld am 21. Oktober 1914 „zur Fahne einberufen“ wird. Dies aber nicht, ohne vorher einen Betrag von 85,16 M dem zweiten Kassierer Gottfried Abts übergeben zu haben!!
Alles hat also seine Ordnung:
Die ersten Eintragungen nach dem 1. Weltkrieg datieren dann vom 10. August 1919.
Natürlich berichten die Protokolle auch von Veränderungen im Vereinsvorstand oder von Einzelheiten, die jeweiligen Kirmestage betreffend. So ist zu lesen, dass im Jahr 1904 der 1. Vorsitzende Martin Schlemmer zum Ehrenpräsidenten gewählt wird, nach er das Amt an Johann Conrads abgegeben hat, der es dann bis 1913 innehat. Herrmann Kauertz nimmt dieses Amt dann weiter wahr.


Johann Conrads

Herrmann Kauertz

Die „Kirmes – Festlichkeit“ wird 1901 wie folgt durchgeführt:
Das Zelt wird vom Schützenverein Niederaußem ausgeliehen. Als Zeltwirt wird gegen eine Vergütung von 75 Mark der „Gast Wirth“ Hubert Bremer bestellt. Man beschließt ferner „den Festzug durchs Dorf und Parade Sonntags und Dienstags zu machen“. Man sieht: am Grundmodell des Festverlaufs hat sich bis heute kaum etwas geändert.
Denn:  Montags nun Parade vor dem Ehrenpräsidenten, dem Herrn Bürgermeister, und dem Hochwürdigsten Herrn Pastor. Man beachte aber hier die Reihenfolge!! Interessant ist ferner, dass „Mitglieder, welche die Parade und den Festzug durchs Dorf nicht mitmachen, … Entree bezahlen, wenn nicht genügende Ursache sie entschuldigen“.

Im Jahr 1902 wird beschlossen: „das Abholen des Kirmes Zeltes den Vereins Mitgliedern Paul Esser, Heinrich Nix und Christian Müller für den Preis von 50 Mark verdungen“.
Das Königsgeld wird auf 30 Mark erhöht. Wie hoch mag es vorher gewesen sein? Darüber sagt das Protokoll nichts aus, wohl aber dass die „Schützen Mitglieder entrichten“ haben und „außerdem müssen die Mitglieder von jedem Damen Schottisch u. Tanz – jeden den sie tanzen – 10 Pfg. bezahlen“.
Und wie wohltuend liest sich der Eintrag vom Verlauf der Kirmes vom 21., 22. und 23. Sept, 1902. Es heißt dort:
„Die … gehaltene Kirmesfestlichkeiten verliefen in der schönsten Ordnung nicht durch den geringsten Mißton getrübt und vom herrlichen Wetter begünstigt“. Der Schreiber vermochte es durchaus, seine Kirmesgefühle in Superlativen auszudrücken!

Zwischen 1903 und 1907 sind keine Protokolle geführt worden.

Am 28. Mai 1908 wird u.a. vermerkt, dass „die Offiziere zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Ruhe“ vom Oberst bestimmt wurden. Ferner wird ein früheres Mitglied wieder „entgeltlich“ – was auch immer es heißen mag! – in den Verein aufgenommen. Es ist zu vermuten, dass es wohl vorher Differenzen gab, die zu seinem Ausschluss führten. Man hat sich also offensichtlich wieder vertragen.
Gegen die Zahlung von 40 Mark aus der Vereinskasse hat der Wirt „den Saal, Licht und Bedienung, sowie Kost und Logis und Getränke für die Musik unentgeltlich herzugeben“ (Protokoll vom 29. August 1908). So ganz „unentgeltlich“ war der darüber geschlossene Vertrag dann ja wohl doch nicht!
Übrigens mussten die ortsansässigen Wirte in jedem Jahr eine „Offerte“ abgeben. Der Vorstand beschloss dann, welchem von ihnen der Zuschlag für das Kirmesfest gegeben wurde.
Das Schützenfest wurde in dieser Zeit am Pfingstmontag gefeiert, verbunden mit großem Festball, an dem „Tellersitzen“ zur Pflichtaufgabe der Offiziere gehörte. Heute sitzen die Mitglieder der einzelnen Schützenzüge in genau festgelegter Reihenfolge im „Generaloberst Loevenich – Kassenhäuschen“! Es wurde schon damals und wird also auch noch heute für den Verein „gesessen“!

1909 weicht man von der bisher geübten Praxis der Saalvergabe ab und schließt „Bis Schluße des Jahres 1913“ mit dem Wirt Christian Bremer einen schriftlichen Vertrag, der „in doppeltem Exemplar ausgefertigt und dem Verein und dem Herrn Bremer eingehändigt“ wird. Das entsprechende Protokoll hierzu wird von den Anwesenden (d.s. die Mitglieder des Vorstand) unterzeichnet: Johann Conrads, Präsident, Hubert Puff, Anton Pesch, Werner Schnorrenberg, Gottfried Abts, Friedrich Hansen, Heinrich Wirtz, Josef Nobis und H. Stein (d.i. Hubert Stein). Vielleicht können sich ältere Neurather Bürger noch an den einen oder anderen von ihnen erinnern.

Im Jahr 1910 gibt der Verein „für die Anschaffung von drei neuen Säbeln und vier Coppel“ sowie „für eine Anzahl weißer Hosen“ Geld aus der Vereinskasse her. Interessant ist, wie man dem Fernbleiben beim Festumzug beizukommen hofft. Man beschließt:
„Für diejenige die ohne Entschuldigung und ohne das gesetzliche Alter zu haben, welches Sie davon befreit den Festzug nicht mitmacht, den doppelten Entree als Strafe zu zahlen“. Die Methode, über den Geldbeutel zu reglementieren und parieren zu lehren (vgl. Bußgeldkatalog für Verkehrsteilnehmer heute!) ist also gar nicht so neu und muss wohl auch damals schon Erfolg versprechend gewesen sein! Man wusste aber offensichtlich auch, was man den verstorbenen Mitgliedern schuldig war. So wurde am 9. Oktober 1910 beschlossen „in erster Zeit zwei hl. Messen für sie halten zu lassen“. In dieser Zeit wurden Sonderdienste einzelner Mitglieder mit Geldzuwendungen honoriert. Der Schellenbaumträger erhielt 4 Mark, dem Trommelschläger wurde pro Tag 5 Mark zuerkannt, und das Salär für den Schriftführer wurde „für außergewöhnliche Mühe im Betreff der Musik und Haftpflicht auf 8 Mark festgestellt“. In der Sitzung vom 27. Juli 1913 wurde, wie oben erwähnt, Johann Conrads Ehrenpräsident. Das Amt des Präsidenten übernahm Hermann Kauertz. Neu in den Vorstand wurden Wilhelm Büllesfeld und Adolf Göddertz gewählt. Der neue Schriftführer hatte aber offensichtlich seine liebe Not mit der Formulierung und Niederschrift von Beschlüssen. Davon zeugt das folgende, wortgetreu wiedergegebene Protokoll:

Wortgetreue Abschrift
Protokoll
General – Versammlung

In der heutigen General-Versammlung wurde nachstehendes beschlossen:

  1. Gleich nach der Aufstellung Zug durch´s Dorf nebst Parade nach dem Vogel mit Preisvogelschiessen
  1. Betreffs des Vogelschiessen: Es ist gestattet zu schießen ein anderes Mitglied für das Mitglied welches der Nummer nach am schießen ist wenn beide an dem Platz zugegen sind. Wenn das Mitglied 3 x aufgerufen ist so fällt sein Schuss aus
  1. Preisvogelschiessen wird abgehalten durch Joh. Esser. Selbiges wurde dem Vorstand überlassen betreffs der Aufstellung des Preisvogelschiessen.
  1. Pfingstsonntag Zapfenstreich durch´s Dorf wobei dem alten Mitgliede (Name unbekannt) die Ehre angetan wird betreffs als 50 jähr. Mitglied der Bruderschaft
  1. Anschaffung für drei neue Schärpen nebst Kopfbedeckung für den Battalgönner & sonstige notwendige Sachen.
  1. Wer den Zug nicht mit macht unterliegt einer Strafe von 1 Mark
  1. Vor Pfingsten Übung der Mitglieder mit Herrn Oberst nebst Offiziere
  1. Puff Hubert Brüggen Jak. Nobis Pet unternehmen die Fahrt nach Cöln wofür jeder 2,20 Mark Spese erhält.
  1. Anschaffung Messinghülse nebst Zange.

Hiermit wurde die Versammlung geschlossen und es unterzeichnen sich folgende

Neurath den 26. April 1914

Hermann Kauertz, Präsident

Wilhelm Büllesfeld

Johann Eßer

Jos. Nobis

Der letzte, hier zu behandelnde Abschnitt ist die Zeit des ersten Weltkriegs. 1914 wird beschlossen, „wegen Unterstützung der im Felde stehenden Krieger des Schützenvereins … eine kleine Unterstützung zu geben und zwar 9 Mark“.
Und mit dem Vermerkt am 20. Oktober 1914 „Da ich am 21. Oktober zur Fahne einberufen bin so übergebe ich hiermit den Kassenbestand welchen ich in Händen habe ein Betrag von 85,16 dem zweiten Vorsitzenden Gottfried Abts“.

In den Kriegsjahren 1914 – 1918 ruhte das Vereinsleben, wurde dann aber 1919 wieder aktiviert.