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Aus den Historienbüchern des Bürgerschützenvereins Neurath

Neurath im Hochmittelalter
A N N O  1183
von  Pfarrer Winand Stollenwerk

NUINRODHE – NUENRODE – NEWERODE – NUWENROIDE –

vier Schreibweisen aus alten Dokumenten für den Ort, den wir heute Neurath nennen.

Wie alt Neurath tatsächlich ist, wissen wir nicht. Es gibt weder eine Gründungsurkunde des Ortes noch der Kirche und der Pfarrei St. Lambertus. Wir können uns nur auf Dokumente wie Kaufverträge, Stiftungsurkunden, Gerichtsurteile u. Ä. berufen, die den Namen des Ortes erwähnen und zufällig auf uns gekommen sind.

Aus solchen Unterlagen ist ersichtlich, dass der Ort Neurath immerhin das stolze Alter von 800 Jahren überschritten hat, genauer gesagt : Heute, im Jahre 2001 nach Christi Geburt, befinden wir uns „im Jahre 818 Neurather Zeitrechnung.“ 1883 erschien im Bachem-Verlag in Köln die Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln. herausgegeben von Domkapitular Dr. K. Th. Dumont. Der 22. Band dieser Ausgabe beschreibt die Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich. Aus den verschiedensten Quellen der Erzdiözese und der Pfarreien des Dekanates hat der Landdechant und Pfarrer von Bedburdyck, Heinrich Hubert Giersberg die Daten zusammengetragen. Unter der Nr.20 beschreibt er die Geschichte von Neurath. Die erste geschichtliche Nachricht von Nuwenroide ist in einer Urkunde des Klosters Hamborn vom Jahre 1253 enthalten, worin dasselbe den Brüdern des Deutschen Hauses in Köln ein ihm zugehöriges Gut zu Neurath verkauft, um für den Kaufpreis eine nähergelegene Besitzung zu erwerben. Giersberg belegt diese Aussage mit einem Werk, das etwa 20 Jahre vorher erschienen war :
„Codes diplomaticus ordinis sanctae Mariae Theutonicorum – Urkundenbuch des Deutscheb Ordens“ herausgegeben von Johann Heirich Hennes, Mainz 1861.

Die von Giersberg erwähnte Urkunde, in der der Name Neurath erscheint, wird in Kürze
750 Jahre alt. Das hat mich bewogen, mich erneut mit der Geschichte meines Heimatortes zu befassen. Ich setzte mich deshalb mit der Praemonstratenser-Abtei Hamborn in Verbindung und kam in Kontakt mit Pater Dr. Ludger Horstkötter, Archivar und durch jahrzehntelanges Forschen guter Kenner der Materie. Dr. Horstkötter kennt besagte Urkunde von 1253. Sie existiert noch im Original, ist Eigentum des Staatsarchivs Düsseldorf und befindet sich als Dauerleihgabe im Historischen Archiv der Stadt Köln. DOC Urk. Nr.28.

Schriftprobe :


Aus der Schriftprobe ersieht man, das die Urkunde in lateinischer Sprache verfasst und nicht leicht zu entziffern ist. Der Inhalt spricht vom Verkauf eines „allodium apud Nuenrode“ d.h. eines freien Gutes bei Neurath. (Veröffentlichungen von Binterim-Mooren 1892 oder Podlech 1912 schreiben vom Verkauf „des Gutes Neurath“, eine Angabe, die dem Original nicht entspricht.)

Dr. Horstkötter fand bei seinen Recherchen, das es noch ein älteres Dokument gibt, in dem der Name Neurath, NUINRODHE, erwähnt wird. Das Objekt ist dasselbe Gut, das im Kaufvertrag von 1253 erwähnt wird. Diese Urkunde beinhaltet eine erneute Bestätigung des Klosters Hamborn durch den Erzbischof Philipp von Köln im Jahre 1183 (1173?), das zur Zeit seines Vorgängers, des Erzbischofs Bruno II. vom Edelherrn Gerhard von Hochstaden gestiftet und von Bruno II. kanonisch errichtet worden war. Zugleich bestätigt er die Rechte und derzeitigen Besitzungen des Klosters Hamborn. In der Liste der aufgezählten Besitzungen heißt es an einer Stelle :“ in Nuinrodhe unum mansum „ = „in Neurath eine Hufe“.

Gerhard von Hochstaden war der Stifter des Klosters Hamborn. Die von Hochstaden hatten in unserer Gegend Besitzungen. (Frimmersdorf-Huster Knupp). Vielleicht kam so die Hufe Land in Neurath durch die Herren von Hochstaden an das Kloster.

Interessant ist noch der Schluss des Dokumentes. Um seinen Willen genau und für ewige Zeiten durchzusetzen pocht Erzbischof Philipp von Köln auf sein Machtfülle, mit der er sich für Himmel und Erde ausgestattet wähnte – so glaubte er es wenigstens - : „Wenn jemand nach so vielen und so starken Absicherungen mit erhabenen Dingen – versuchen sollte, irgendetwas auf dieser Urkunde zu tilgen, abzuändern oder gar die Urkunde zu vernichten, dann soll es ihm gehen wie dem Gottesverächter Korach (vgl. AT Buch Numeri, Kap.16 ), wie dem Verräter Judas : Er soll vom Glück der Heiligen ausgeschlossen und mit dem Teufel und seinen Engeln aufbewahrt, um (dereinst) mit ewigen Feuersgluten gepeinigt zu werden. Amen. Amen. Amen. Im Jahre 1173.“ Das dreimalige Amen ist die Beschwörungsformel- In anderen Abschriften steht : Im Jahr 1183-. Letztere Jahreszahl hält Dr. Horstkötter für die richtigere.

Ich bin Pater Dr. Ludger Horstkötter dankbar, dass er mir diese Unterlagen zur Verfügung gestellt hat.
Wir können nun sagen : Die erste dokumentarisch belegte Erwähnung unseres Heimatortes Neurath stammt aus dem Jahre 1183.