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Aus den Historienbüchern des Bürgerschützenvereins Neurath

Anfänge des Schützenwesens im Rheinland

Der eigentliche Beginn des Schützenwesens hier im Rheinland lässt sich um die Zeit 12. – 13. Jahrhundert datieren. Als die deutschen Kaiser die herrlichen Kaiserdome in Mainz, Speyer und Worms errichten ließen. 10./11. Jahrhundert hatte der Kaiser als zentrale Reichsgewalt auch die Macht den Frieden im Lande zu erzwingen gegen Fürsten und Adel. Es war die Blütezeit der Ritter mit den glanzvollen Reichstagen und Turnieren. Die Kaisermacht schwand und Fürstenmacht wuchs. Der Unfriede und Unsicherheit im Lande waren die Folge. Aus dem Ritteradel wurde ein Rauf- und Raubadel. In dieser Zeit waren Handwerk und Handel in den Städten allmählich zur Blüte gelangt. Nach Klöstern und Rittern wurden die Städte zu Trägern der Kultur. Handwerk und Handel brauchten zum Blühen den Frieden. Als Unfriede und Unsicherheit im Lande herrschte, organisierte das Bürgertum seinen Selbstschutz gegen Übergriffe des Adels und der Fürsten. In der Folgezeit entstanden die Schützengilden oder Schützengesellschaften, weil stets eine genügende Anzahl Waffengeübter Bürger bereitstehen musste. Nach dem Vorbild der Ordensgesellschaften organisierten sie sich als Bruderschaften. Es ist verständlich, dass in unruhigen Zeiten auch kleine Städte und Bauerndörfer nach dem Vorbild der größeren Städte ihren Selbstschutz organisierten und dort Schützenbruderschaften entstanden.
Die Schützenbruderschaften gaben sich später selbst auch soziale Aufgaben, besonders in den Pestzeiten Helfer der Armen zu sein und die Pestleichen zu begraben. Dies gilt besonders für die Zeit der Wirren vor der Reformation ganz besonders aber für die Zeit des 30-jährigen Krieges und der Folgejahre.

Kurfürst Ferdinand von Köln rief in seinem Edikt im 30-jährigen Krieg die Schützen auf zum Schutz gegen streunendes Gesindel, arbeitslose und plündernde Landsknechte. Gegen Ende des 30-jährigen Krieges wurden die Schützen militärähnlich formiert in Kompanien und Bataillone, militärische Rangabzeichen tauchten zunehmend auf. Die ältesten Schützenbruderschaften überhaupt entstanden in Nordfrankreich und den Niederlanden. Bei uns liegen die frühen Gründungen der Schützengilden und Schützenbruderschaften meist um 1300. Noch frühere Gründungen sind meist auf die eingeräumten Vorrechte der Landesherren oder benachbarten Stifte und Klöster zurückzuführen. Die Schützen wurden geübt im Gebrauch der Armbrust, sehr früh im Schießen mit Schusswaffen. Gerade durch die Einführung der Schusswaffen durch die Städte waren die Schützen dem Rauf- und Raubadel sehr bald überlegen. Die all sonntäglichen Schießübungen waren Pflicht, strenge Satzungen regelten Pflichten und Verhalten zueinander. Aus dieser Pflicht entwickelte sich die Tradition des jährlichen Schützenfestes, das vom ganzen Dorf oder Stadt gefeiert wurde. Diese Schützenfeste erlangten bald die Volkstümlichkeit der Turnierfeste der Ritterzeit. Der beste Schütze wurde als Schützenkönig gefeiert. Besonders glanzvoll wurden die Schützenfeste im 15.-16. Jahrhundert gefeiert, dem Zeitpunkt der Gründung der meisten Bruderschaften im Rheinland, deren effektives Bestehen mit Sicherheit allesamt weiter zurückreicht.